Pressemeldung

13.11.2012
Dr. Murjahn-Förderpreis erstmals verliehen

Drei Malerbetriebe und eine Meisterschule in Köln ausgezeichnet.

KÖLN. Michael Kiwall, Geschäftsführer und Inhaber der Malermeister Michael Kiwall GmbH Co. KG (Dortmund), Markus Viesel, Firmenchef der Viesel Malerbetrieb GmbH in Waldkirch, und Tom Nietiedt, geschäftsführender Gesellschafter der Nietiedt-Firmengruppe (Wilhelmshaven) heißen die Preisträger beim Dr. Murjahn-Förderpreis. Ihre wegweisenden Projekte und außergewöhnlichen Initiativen im Maler- und Lackiererhandwerk wurden mit jeweils 15.000 Euro dotiert. Eine Anerkennung in Höhe von 5.000 Euro ging an den Fachbereich Maler und Lackierer der Meisterschule für Handwerker in Kaiserslautern. Die Preisverleihung am 13. November in Köln war eingebunden in eine Veranstaltung des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz, der Partner des Förderpreises ist.

Mustergültiges Ausbildungsprogramm

Vor zahlreichen Honoratioren des Malerhandwerks, Repräsentanten der Landesinnungsverbände und des Bundesverbandes nahm Maler- und Lackierermeister Michael Kiwall den Dr. Murjahn-Förderpreis 2012 in der Kategorie „Aus- und Weiterbildung“ entgegen. Mit der „Azubi-Akademie“ hat der Malerfachbetrieb aus Dortmund 2011 ein Projekt gestartet, das aus Sicht der Jury als „mustergültig im Hinblick auf Kreativität, Qualität und Quantität der Ausbildungsaktivitäten und -methoden anzusehen ist“. Mit dem Förderpreis werde „überragendes Engagement bei der Vorbereitung Jugendlicher auf das Berufsleben“ ausgezeichnet. Die Aus- und Weiterbildung wurde in dem Malerfachunternehmen seit jeher groß geschrieben. Von 1992 bis heute schlossen insgesamt über 70 Azubis die Ausbildung zum Maler- und Lackierer ab. Sie sind heute beinahe ausnahmslos in festen Anstellungsverhältnissen. Auch die Ausbildung von jungen Menschen mit Migrationshintergrund ist für das Unternehmen selbstverständlich. Mehr als 20 Azubis aus fünf verschiedenen Ländern absolvierten in den vergangenen 20 Jahren erfolgreich eine Ausbildung.

Im Rahmen der unternehmenseigenen „Azubi-Akademie“ wird die Ausbildung seit 2011 langfristig geplant, mit Maßnahmen und konkreten Zielen belegt und regelmäßig auf den Prüfstand gestellt. Dazu gehört die intensive Betreuung durch den Akademieleiter bei Azubi-Projekten von der ersten Beratung über die Kalkulation und Durchführung bis hin zur Nachkalkulation und fiktiven Rechnungslegung. Aktive Unterstützung erfahren die Auszubildenden regelmäßig auch bei der Führung des Berichtshefts und dem Vertiefen der Berufsschulinhalte. Zur Übung praktischer Aufgaben wird ihnen eine originale Prüfungskabine zur Verfügung gestellt, beim sogenannten „Azubi-Battle“ haben sie die Möglichkeit, gegeneinander anzutreten, um den „Battle-Sieger des Jahres“ zu ermitteln. Regelmäßige Selbst- und Fremdbewertungen führen im Ergebnis zum „Azubi des Monats“. Er kommt in den Genuss, 30 Tage kostenfrei das smart-Cabrio der Akademie zu fahren. Das Prinzip „Fordern und Fördern“ werde „motivational in großartiger Weise miteinander verbunden“, heißt es in der Jurybegründung. Schon angesichts der demographischen Entwicklung sei das Projekt zukunftsweisend für die Malerbranche: „Mitarbeiterentwicklung und aktive Nachwuchsarbeit mit dem Ziel, Auszubildende für den weiteren Lebensweg bestmöglich aus- und weiterzubilden, sind für die Zukunft der Firmen unabdingbar.“ Das ganzheitliche Konzept Kiwalls ist gefragt und wird vielerorts bereits genutzt: Fachleute des Unternehmens coachen andere Malerbetriebe und referieren bei Institutionen des Handwerks.  

Großartiges soziales Engagement

Maler- und Lackierermeister Markus Viesel erhielt den Dr. Murjahn-Förderpreis 2012 in der Kategorie „Initiativen im Maler- und Lackiererhandwerk“. Gemäß dem Motto „Maler hilft Maler“ leitete Viesel nach einem schweren Motorradunfall eines Malerkollegen (Albert Kiefer, Freiburg) in spontan-selbstloser Weise zusätzlich zum eigenen Unternehmen (zehn Mitarbeiter) über mehrere Monate parallel auch das Unternehmen des schwerverletzten Kollegen (25 Mitarbeiter). Dazu pendelte er regelmäßig zwischen Freiburg und Waldkirch und demonstrierte unter finanziellen Einbußen und Urlaubsverzicht in unglaublicher Weise gelebte Kollegenhilfe. Das soziale, betriebsübergreifende und kollegiale Miteinander, völlig losgelöst von jeglichem Wettbewerbsgedanken, gipfelte zudem noch in der Aufnahme des Sohnes des betroffenen Malerbetriebs, nachdem bei der Meistergattin zeitgleich auch noch eine schwere OP anstand. Was organisatorisch und zeitlich eigentlich unmöglich schien, hat Viesel in unglaublichem und selbstlosem Einsatz geschultert – die Jury sprach gar von einer „kleinen sozialen Revolution in der Branche“. Die Wettbewerbsunterlagen waren vom verunglückten Malermeister eingereicht worden.

Der energieoptimierte Betrieb

Für das Projekt „Der energieoptimierte Betrieb“ wurde der Firmenchef der Nietiedt-Gruppe Tom Nietiedt in der Kategorie „Innovation/Betriebsführung“ mit dem Dr. Murjahn-Förderpreis 2012 ausgezeichnet. Nietiedt hatte sich aufgrund schlechter Erweiterungsmöglichkeiten am alten Standort in der Langeoogstraße in Wilhelmshaven 2009 dazu entschlossen, einen Neubau in unmittelbarer Nähe zum alten Standort zu realisieren. Der neue Firmensitz sollte neben Erweiterungsmöglichkeiten auch das gesamte Leistungsspektrum der Nietiedt-Gruppe darstellen können. So entstand das ganzheitliche Konzept eines energieoptimierten Betriebes, das „die Kriterien Energie- und Ressourceneinsatz, Nachhaltigkeit sowie Soziales und Mitarbeitermotivation in vorbildlicher Weise miteinander verknüpft“, urteilte die Jury: „Die Komplexität und Vielfalt der energetischen, betrieblichen und sozialen Maßnahmen in Verbindung mit hohen sozialen und umwelttechnischen Standards, aus denen im Zusammenspiel höchste Qualität und Mitarbeiterzufriedenheit resultieren, machen das Projekt einzigartig. Es ist als wegweisend einzustufen, denn es zeigt, was durch den Einsatz moderner Technologien an Ressourceneinsparung möglich ist und dass diese sich auch von Anfang an berechnen lässt.“ 

Mit einem Jahresprimärenergiebedarf des Gebäudes von 61,35 kWh/m²a wurden die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV 2007) um 73 Prozent übererfüllt. Ursächlich hierfür sind zum Beispiel die Dämmung der Außenwände mit einem Wärmedämm-Verbundsystem sowie hohe Dämmstandards der Bodenplatte und Dachebene. Auf sämtlichen Hallendächern und der Verwaltung ist eine Photovoltaikanlage installiert, die den Strombedarf des Geländes komplett decken kann. Zu den technischen Highlights gehört auch eine neue Freiflächenlackieranlage, die durch starke Luftbewegungen von der Decke einen virtuellen Raum für den Lackierer erzeugt. Vorteil dieser Anlage gegenüber einer Lackierkabine: Auch größere und sperrige Bauteile können dort lackiert werden. Mithilfe von Überwachungselektronik wird aber nur der Bereich belüftet, in dem sich der Lackierer aufhält. Das spart Energie beim Betrieb ein (50 Prozent). In der Strahlanlage wird das verwendete Strahlgut über ein Bodenfördersystem einem Recyclingprozess zugeführt, wodurch es über 50-mal wiederverwendet werden kann. Eine Pinselwaschanlage sammelt das anfallende Waschwasser. Über einen Fällungsprozess und Filterstufen wird es von den Schwebstoffen getrennt und der Waschanlage wieder zugeführt. Somit kann das Abwasser mehrmals wiederverwendet werden. Ausdruck des besonders innovativen Charakters in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind nicht zuletzt eine Erstplatzierung des Projekts beim Preis „Umwelt Unternehmen Nordwest“ 2011, ausgesprochen durch die NBank Niedersachsen und die Bremer Aufbau-Bank, sowie eine Vorzertifizierung in Silber durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). 

Ausdrücklich würdigte die Jury auch „die breite Palette sozialer und mitarbeiterbezogener Aspekte der Betriebsführung“. Kombizonen mit Besprechungsinseln fördern die Kommunikation untereinander. Der begrünte Innenhof mit Sitzmöglichkeiten bietet die Möglichkeit, sich zu treffen und auszutauschen. Es steht ein Ruheraum zur Verfügung, um sich einige Zeit zurückzuziehen und abzuschalten. Zahlreiche Sport- und Gesundheitsaktivitäten sowie eine Betriebsrente runden das Angebot für die Mitarbeiter ab.

Deutsch-Französischer Schüleraustausch

Für den „Deutsch-Französischen Schüleraustausch im Maler- und Lackiererhandwerk“ erhielt die Meisterschule für Handwerker in Kaiserslautern in der Kategorie „Aus- und Weiterbildung“ einen Anerkennungspreis. Denn die Zusammenarbeit mit der Schule „Lycée les Marcs D’Or“ in Dijon (Burgund) reicht weit über arbeitstechnische Aspekte (jüngst die Neugestaltung eines Schulflures mit Schriftelementen) hinaus. Durch gemeinsames Arbeiten und Lernen, in Verbindung mit kulturellen Aktivitäten, wird das Verständnis für das Nachbarland vertieft. Vorurteile werden abgebaut und Freundschaften geschlossen. Diese Erfahrungen erleichtern den Jugendlichen ein späteres Arbeiten in einem anderen Land, fördern das Völkerverständnis und den „Europäischen Gedanken“. Die Jury beurteilte das projektorientierte Arbeiten in deutsch-französischen Auszubildenden-Teams als „gelungenen Beitrag zur Völkerverständigung und Mobilität von jungen Malern und Lackierern“. Dazu gehört nicht nur das Kennenlernen von landestypischen Arbeitstechniken, sondern auch von Sprachkenntnissen. Der zielgruppengerechte Vorbildcharakter des Projekts zeigte sich nicht zuletzt dadurch, dass den Auszubildenden trotz geringer Sprachkenntnisse auf beiden Seiten die Verständigung über das gemeinsame Arbeiten gelang. Flankiert wurde die Gestaltung in der Praxis durch einen 20-stündigen Tandem-Sprachkurs, der grundlegende Kenntnisse der deutschen und französischen Sprache vermittelte.

Dem Malerhandwerk verbunden

Anlässlich seines 75. Geburtstags im November vorigen Jahres hatte der geschäftsführende Gesellschafter der Deutsche Amphibolin-Werke (DAW), Dr. Klaus Murjahn, den Förderpreis zur Unterstützung des deutschen Maler- und Lackiererhandwerks ins Leben gerufen: „Seit vielen Jahrzehnten pflegt unser Unternehmen ein sehr enges und partnerschaftliches Verhältnis zum Maler- und Lackiererhandwerk. Ohne die Maler wäre die führende Position unseres Unternehmens im Bereich der Bautenanstrichmittel nicht vorstellbar. Der Preis ist konkreter Ausdruck meines Dankes an das Malerhandwerk. Er soll dazu beitragen, das über viele Jahrzehnte schon von meinem Vater mit großem Einsatz gepflegte gute Verhältnis zum Malerhandwerk und seinen Verbandsstrukturen auch in Zukunft nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern auch weiterzuentwickeln.  Außerdem verbinde ich mit dem Förderpreis die Hoffnung, dem Malerhandwerk eine Plattform zu bieten, herausragende Leistungen einer breiten Öffentlichkeit vor Augen zu führen.“ 

Dr. Murjahn-Förderpreis 2013

Der Dr. Murjahn-Förderpreis für das Maler- und Lackiererhandwerk ist mit 50.000 Euro dotiert. „Er wird unabhängig davon verliehen, welche Materialien der Maler einsetzt oder mit welchem Hersteller er zusammenarbeitet“, wies der Vorsitzende des Kuratoriums des Dr. Murjahn-Förderpreises, Erich Dietz, auf einen wesentlichen Unterschied zu anderen Wettbewerben hin. Die Preisverleihung 2012 nutzten Dietz und der Präsident des Bundesverbandes Karl-August Siepelmeyer zugleich als Aufruf für die Branche, sich auch 2013 wieder am Förderpreis zu beteiligen: „Mit der Verleihung 2012 ist der Startschuss für die nächste Runde gefallen.“ Bewerbungen für den Dr. Murjahn-Förderpreis sind bis 31. August 2013 möglich. Die Bewerbungsunterlagen sowie weitere Details gibt es im Internet unter „www.dr-murjahn-foerderpreis.de“.